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AKTUALITÄT | TEST | 29 April 2015

Stiefel Arc'teryx Bora Mid 2. Die kanadische marke begibt sich in die welt des bergschuhwerks

Die prestigereiche kanadische Firma Arc'teryx hat sich entschlossen, in dieser Saison ihre erste Kollektion von Outdoor-Schuhen auf den Markt zu bringen. Und wie nicht anders zu erwarten, ist sie dabei ihrem eigenen Weg gefolgt und prÀsentiert Produkte mit einem revolutionÀren Design.
Es handelt sich hier um den Zustiegsschuh Acrux und die Wanderstiefel Bora Mid, die Halt im Fußgelenksbereich bieten.

Beide zeichnen sich durch dadurch aus, dass sie einen Innenschuh besitzen, der sich variierend nach jeweiligem Modell herausnehmen lÀsst oder fest angebracht ist.

Photo: © Fernando Guevara Photo

DESIGN
Ganz offensichtlich gibt es Neuerungen:

  • Verzicht auf NĂ€hte: Das Äußere wurde aus einem einzigen thermolaminierten StĂŒck gefertigt und umgeht so den Einsatz von NĂ€hten.
  • Ohne Schuhzunge: Vermeidet den ĂŒblichen Druck auf die entsprechende Zone und erlaubt darĂŒber hinaus ein grĂ¶ĂŸeres Ableiten von SchwitznĂ€sse ĂŒber den Gore-Tex-Innenschuh.
  • Innenschuh - mit zwei Vorteilen:
       
    • Je nach Bedarf austauschbar (Innenschuh fĂŒr den Sommer oder Innenschuh fĂŒr den Winter, beide mit Gore-Tex-Membran)
    •  
    • Ermöglicht einen besseren Abtransport von SchwitznĂ€sse, da der Innenschuh direkt nach außen abschließt, nĂ€mlich dort, wo normalerweise die Schuhzunge liegt. Des Weiteren wird ein kleiner BelĂŒftungskanal zwischen Außenmaterial und Innenschuh geschaffen.

INNENSCHUH
Sowohl der Acrux als auch der Bora Mid verfĂŒgen ĂŒber verschiedene Modelle, wo sich der Innenschuh herausnehmen lĂ€sst oder fest angenĂ€ht ist. Das herausnehmbare System hat augenscheinliche Vorteile: Man kann es trocknen, reinigen und je nach Jahreszeit gegen einen anderen Innenschuh austauschen, welchen die Marke Arc'teryx verkauft.

Der Innenschuh gleicht einem FĂŒĂŸling mit Micromesh-Futter, welches sehr luftdurchlĂ€ssig ist. DarĂŒber hinaus ist dieses Gewebe elastisch, wirkt durch seine Dicke stoßdĂ€mpfend und erhöht laut Hersteller den Tragekomfort.

AUSSENHÜLLE
Wie bereits erwĂ€hnt, ist das Außenmaterial aus einem einzigen thermolaminierten StĂŒck gefertigt - ohne NĂ€hte fĂŒr eine bessere Passform und zur Vermeidung von Wundreiben. Das Material ist vollstĂ€ndig hydrophob, sodass es nicht durch Feuchtigkeitsansammlung das Gewicht vergrĂ¶ĂŸert. Über dem thermolaminierten StĂŒck sind die fĂŒr Abrieb anfĂ€lligsten Bereiche mit einem Schutz fĂŒr Schuh und hauptsĂ€chlich den Fuß versehen.

Die große Neuerung ist aber in jedem Fall der Verzicht auf die Schuhzunge, eine Region, welche sonst nĂ€mlich auftrĂ€gt und Druckpunkte entstehen lĂ€sst.

SOHLE
Die Modelle Acrux besitzen eine Sohle mit Megagrip-Zusammensetzung von Vibram fĂŒr jede Art von Untergrund, wĂ€hrend die Modelle Bora Mid ĂŒber die gleiche Megagrip-Zusammensetzung von Vibram verfĂŒgen, allerdings mit einer fĂŒr die Berge typischen Bodenhaftung und mit agressivem Sohlenprofil.

IM GEBRAUCH
Als wir die Schuhe in der Hand hielten, kamen uns bezĂŒglich der Neuerungen im Design zunĂ€chst Zweifel. Einige Details, wie beispielsweise das Fehlen von Ösen, könnte vermuten lassen, dass das Außenmaterial nachgeben wĂŒrde. Ein anderer Punkt ist die eventuelle Möglichkeit, dass Wasser oder Erde zwischen AußenhĂŒlle und Innenschuh dringen könnten.

Wir haben hauptsĂ€chlich den Stiefel Bora Mid 2 mit herausnehmbarem Innenschuh getestet. Diesen Stiefel kann man als High-End-Produkt und ebenso als das gewagteste Modell ansehen. Der Acrux-Schuh, den wir getragen haben, funktioniert hervorragend. Doch die Unterschiede fallen hinsichtlich eines “normalen” Systems kleiner aus.

IN BEZUG AUF DEN BORA MID 2:

Das Anziehen

Das Anziehen kostet etwas MĂŒhe, besonders bevor man den Bogen raus hat. Dies kann zu einem unbequemen TragegefĂŒhl fĂŒhren, aber das hat ziemlich viel mit der SchuhgrĂ¶ĂŸe zu tun. FĂŒr uns ist es am einfachsten, zuerst den Innenschuh in den Stiefel zu platzieren und danach den Fuß hineinzusetzen. Schwieriger erschien uns dagegen, zunĂ€chst den Innenschuh ĂŒber den Fuß zu ziehen und anschließend in die AußenhĂŒlle zu schlĂŒpfen.

Tragekomfort des Innenschuhs

Wirklich sehr bequem und sitzt wie angegossen, ohne zu drĂŒcken.

Das Innere weist keine augenscheinlichen NĂ€hte auf, was sehr komfortabel ist. Im Außenbereich der Ferse gibt es allerdings eine Naht, welche jedoch weder stört noch einschneidet, sich aber vielleicht langfristig gesehen spĂŒrbar machen könnte.

Wichtig zu erwĂ€hnen: der Innenschuh besitzt eine festere Sohle, mit der man auch durch die Wohnung gehen könnte. Sehr angenehm und nĂŒtzlich als Hausschuh in BerghĂŒtten, etc. HierfĂŒr wurde er auch designed.

Photo: © Fernando Guevara Photo

Beim Laufen

Der erste Eindruck ist merkwĂŒrdig. Aber es ist hervorzuheben, dass wir finden, dass sich der Sitz des Stiefels erst beim Laufen richtig justieren lĂ€sst. Man muss den Stiefel anziehen und ein paar Schritte mit ihm gehen, dann passt der Schuh perfekt und man kann ihn vollstĂ€ndig zuschnĂŒren.

Ist einmal das GefĂŒhl des Fremdartigen ĂŒberwunden, dann ist der Stiefel sehr bequem und man spĂŒrt die StoßdĂ€mpfung sowie den Sitz ohne Reibungspunkte. Auch macht sich die Leichtigkeit im Bereich der Schuhzunge bemerkbar, denn dort engt nichts ein.

Auch wenn das Fußgelenk gestĂŒtzt wird, so ist der Stiefel doch flexibel. Anstelle eines Bergstiefels könnten wir sagen, dass es sich um einen Stiefel fĂŒr Gebirgtrails sowie unregelmĂ€ĂŸiges GelĂ€nde handelt und der mit einem Fußgelenksschutz ausgestattet ist. Letzterer schirmt besonders gegen Gestein, etc. ab und wirkt stabilisierend, ohne die Bewegung beim Anheben der Beine einzuschrĂ€nken. Dies hat seine Vor- und Nachteile, und jeder Nutzer weiß selbst, welche sportliche AktivitĂ€t er ausĂŒbt. Sagen wir, dass der Schuh bei gewohnheitsmĂ€ĂŸigem Einsatz StabilitĂ€t verleiht, aber nicht einen solchen Halt gibt wie ein Bergstiefel auf ausgeprĂ€gten HĂ€ngen oder auf schon etwas tieferem Schnee, zum Beispiel. Auf einem Gebirgswanderpfad jedoch oder wenn es grĂ¶ĂŸere Felsen hinauf und wieder hinunter geht, ist der Stiefel sehr gut - wie in den Regionen der Anayetketten, der Ort, wo wir die Stiefel getestet haben.

VielfÀltiger Einsatz

Die Sohle ist sehr effizient und der Stiefel agil. Letzteren haben wir in wenig tiefem FrĂŒhjahrsschnee getestet, auf trockenem und feuchtem Felsen sowie auf erdigem und schlammigem Untergrund. In allen FĂ€llen funktioniert der Stiefel perfekt. Durch seine AgilitĂ€t Ă€hnelt er jenen Schuhen mit grĂ¶ĂŸerem Grip und mehr Schutz im Fußgelenksbereich. Doch trotz seines Aussehens bewegt er sich etwas von den reinen 3 Jahreszeiten-Bergstiefeln weg, die fĂŒr steilere und technisch anspruchsvollere Strecken in Frage kommen.

Wasserdichtigkeit und atmungsaktive Eigenschaften

Hier liegen ohne Zweifel einige der StĂ€rken. Der Innenschuh macht den Stiefel nicht nur wasserdicht, sondern vermeidet auch, dass beispielsweise beim Durchqueren eines Flusses Wasser von oben eindringen kann. Außerdem macht sich die grĂ¶ĂŸere atmungsaktive Wirkung bemerkbar, welche durch den Windkanal zwischen AußenhĂŒlle und Innenschuh sowie durch das Fehlen der Schuhzunge erreicht wird. Wir haben den Stiefel an einem besonders warmen Tag getestet - mit einem guten Ergebnis.

Unsere BefĂŒrchtung, dass Wasser zwischen Stiefel und Innenschuh gelangen könnte und sich ansammelt, hat sich nicht bewahrheitet. Wir sind mit dem Stiefel durch FlĂŒsse, PfĂŒtzen usw. gegangen und es hat sich kein Wasser angestaut. Beim Gang durch den Schnee drang auch nichts in den Schuh, was noch problematischer wĂ€re. Ebenso wenig kam Erde oder Kies hinein.

Aber wir mĂŒssen sagen, dies trifft nur zu, wenn man den Stiefel gut anpasst, und zwar beim Laufen, worauf wir bereits hingewiesen haben. Andernfalls kann es sein, dass Wasser in den Schuh eintritt. Deshalb betonen wir die Wichtigkeit, die richtige SchuhgrĂ¶ĂŸe zu wĂ€hlen und fĂŒr einen guten Sitz des Stiefels zu sorgen.

Photo: © Fernando Guevara Photo

WiderstandsfÀhigkeit

Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein hat, dass der Stiefel “delikate” Bereiche besitzt, wie beispielsweise die Ösen, so können wir festhalten, dass nach dem ersten Gebrauch das Material keine SchwĂ€chen zeigt. Es ist eher der Eindruck, den man gewinnt, wenn man feines Material von einer neuer Generation sieht. Wiederholtes Scheuern an Steinen hat es gut ausgehalten.

VORTEILE

  • Bequem, ohne Reibungspunkte
  • Ausgezeichnet wasserdicht und atmungsaktiv
  • Sehr agil mit angemessenem Schutz
  • Sehr gute Sohle
  • Vielseitig einsetzbar/li>
  • Möglichkeit den Innenschuh auszuwechseln

NACHTEILE
  • Anziehen und Anpassen des Schuhs relativ komplex
  • Wahl der SchuhgrĂ¶ĂŸe
  • Die vielseitige Einsetzbarkeit macht die Klassifizierung des Stiefels schwierig
  • Etwas enger Leisten, wie es in letzter Zeit bei der Mehrheit der Bergstiefel vorkommt


SCHLUSSFOLGERUNG
Ein neues System, welches so radikal anders ist, ruft VerblĂŒffung hervor. Nach dem Testen mĂŒssen wir sagen, dass viele gute Ideen vorliegen, die richtig umgesetzt wurden.

Im Falle des Acrux handelt es sich um einen bequemen und vielfÀltig einsetzbaren Zustiegsschuh mit guten Leistungsmerkmalen. Was die Wanderstiefel betrifft, so befinden wir uns vor komplexen Fragen: Wie soll man sie klassifizieren und warum sind sie zu empfehlen?

Vermutlich weil es sich um ein neues System handelt, ist die Einordnung schwierig.Wir könnten sie fĂŒr jene empfehlen, die Bergrouten, wie die meisten GR-Fernwanderwege entlanglaufen.

In den Regionen, wo einige Nutzer Bergschuhe wĂ€hlen und jene Schuhe manchmal bei Schnee oder durch freies GelĂ€nde nicht genĂŒgen, bieten sich die Bora Mid an. Diese Stiefel geben hier ein Plus an StabilitĂ€t, Tragekomfort und den nötigen Schutz, darĂŒber hinaus verfĂŒgen sie ĂŒber hervorragend atmungsaktive Eigenschaften und Wasserdichtigkeit. Sie besitzen ausreichende AgilitĂ€t, aber schĂŒtzen auch und funktionieren gut bei der Überwindung von Felsen, usw.

Es sind also Wanderstiefel, die sich fĂŒr den Gebrauch in den Bergen eignen und gewissen Halt bieten. Jedoch darf man sie nicht mit Bergstiefeln verwechseln, die man fĂŒr besonders abschĂŒssiges Terrain und Dreitausender verwenden wĂŒrde, denn da reichen die Bora Mid nicht aus. Sie können dort zwar gute Arbeit leisten, aber anspruchsvolle Hangquerungen stellen nicht das optimale GelĂ€nde fĂŒr diese Stiefel dar.

Bora2 Mid GTX- Arc'Teryx

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